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WHO-Projekt „Dekade des gesunden Alterns“ 2020-2030

Der demographische Wandel ist eine weltweite Herausforderung. In der ganzen Welt wird die Bevölkerung immer älter.

Die WHO hat aus dieser Erkenntnis schon vor mehreren Jahren ein Projekt gestartet: Ageing and life-course. U.a. geht es dort darum, der immer älter werdenden Gesellschaft weltweit eine Umgebung zu schaffen, in dem gesundes Altwerden möglich ist. Das betrifft vor allem die städtebauliche Umgebung. https://www.who.int/ageing/en/

Die WHO geht davon aus, dass Gesundheit und Wohlbefinden nicht nur durch die Gene und die Persönlichkeit bestimmt wird, sondern auch durch die soziale und physische Umgebung in der wir leben.

Die WHO hat dazu die „Dekade des gesunden Alterns“ (2020-2030) ausgerufen. Sie ist eine Möglichkeit, die Regierungen, die zivile Gesellschaft, Professionelle und Laien und die Medien zusammen zu bringen, um gemeinsame Ideen zu entwickeln und damit die Lebensumgebung von Älteren zu verbessern.

Die Umgebung spielt eine wichtige Rolle für unsere geistigen und körperlichen Fähigkeiten und auch darauf, wie wir mit dem Verlust von Funktionen umgehen. So enthält die Umgebung ein großes Potential für die Erhaltung oder die Einschränkung der Gesundheit. In dem Netzwerk arbeiten Städte und Kommunen weltweit zusammen um dieses Potential auszuschöpfen, Daten zu sammeln und zu forschen.

Das Globale Netzwerk der WHO hat bereits 830 Städte und Kommunen als Mitglieder in 41 Ländern.

Ein gelungenes Beispiel ist Tampere in Finnland, das bereits seit 2012 Mitglied in dem Netzwerk ist.

Die drittgrößte finnische Stadt hat dazu das Projekt „TampereSenior“ ins Leben gerufen. Die Stadt ist altersfreundlich gestaltet und möchte den älteren Bewohnern ein gutes Altern innerhalb der Gesellschaft ermöglichen. Dazu hat Tampere besondere Orte geschaffen, in dem Ältere alle nötigen Dienstleistungen finden, sich treffen können und Veranstaltungen stattfinden. Diese Orte sind an verkehrsgünstigen Plätzen gelegen, so dass sie gut erreicht werden können, aber auch zufällige Besucher, die z. B. das Verkehrssystem nutze und dort landen sind willkommen.

Auch alte und junge Menschen werden sprichwörtlich nähergebracht, wenn eine Einrichtung für Alte und ein Kindergarten im selben Gebäude untergebracht sind.

https://www.koerber-stiftung.de/haus-im-park/offene-orte/tampere

Die einzige deutsche Stadt, die Mitglied im Netzwerk ist, ist Radevormwald. Die Stadt im Bergischen Land ist 2016 dem WHO Netzwerk beigetreten und macht seitdem die Stadt für Senioren attraktiver. So wurden z. B. einige Bordsteine abgesenkt oder taktile Elemente für Sehbehinderte eingebaut. Davon profitieren nicht nur Älter, sondern alle Menschen mit Beeinträchtigungen und auch Familien mit Kinderwagen. Für die Zukunft steht für die Stadt das Thema „Wohnen im Alter“ auf dem Plan.

http://www.radevormwald.de/cms222a/stadtinfo/aktuelles/artikel/2019-11-12_pm_agefriendly.shtml

Inzwischen planen auch Hamburg und Remscheid einen Beitritt in das Netzwerk.

Denn auch in Deutschland werden die Älteren immer mehr. Aktuell gehen die ersten Babyboomer in Rente. Es ist die Generation der „Häuslebauer“, der Macher. Sie haben die Zeit des Wirtschaftswunders erlebt und der finanziellen Sicherheit. Für sie stand die Arbeit im Mittelpunkt; über die haben sie sich identifiziert. Für diese Generation ist Gesundheit ein hoher Wert. Sie sehnen sich nach der Bestätigung, gebraucht zu werden. Sie sind inzwischen digital unterwegs und vernetzt und pflegen ihre Netzwerke.

Wenn die Babyboomer in Pflegeheime kommen, werden eine große Anzahl von Eigenheimen leer stehen, die Pflegekosten aber in die Höhe schießen, denn diese Generation hat auch eine hohe Lebenserwartung. Diese Generation wird im Arbeitsmarkt riesige Lücke hinterlassen, die aufgrund des Fachkräftemangels nicht gefüllt werden können. Sie nehmen aber auch das Wissen mit, das der nächsten Generation fehlen wird.

Nimmt man dieser Generation diese Werte und Sicherheiten, oder reißt sie aus ihrer gewohnten Umgebung mit den Menschen, die sie kennen, sind psychische und auch körperliche Folgen der Fall.

Es ist also durchaus von Interesse der Gesellschaft, der Medizin, der Krankenkassen und der Kommunen, sich diesem demographischen Wandel zu stellen und Älteren so lange wie möglich am sozialen Leben zu beteiligen, ihnen zu zeigen, dass sie noch gebraucht werden und in ihrer gewohnten Umgebung zu halten.  Nicht nur aus finanzieller Sicht. Die Menschen haben eine bessere Lebensqualität, leben gesünder und länger. Dazu muss aber die Umgebung für Ältere entsprechend gestaltet werden. Nach wie vor werden Städte aber eher nach den Erfordernissen der jungen Generation geplant. Alten- und Pflegeheime liegen meist in ruhigen Randlagen, durchaus mit dem guten Gedanken, den Lebensabend ruhig und im Grünen zu verbringen. Das hat aber zur Folge, dass die Hochaltrigen, die meistens schlecht zu Fuß sind, oft keine Anbindung an z. B. Geschäfte für den täglichen Bedarf haben, oder von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind.

Frau Schneider, eine Bewohnerin eines solchen Heimes erzählt: „Ich brauch nach einem Sturz den Rollator und kann keine großen Strecken mehr gehen. Das ist schade, weil ich in meinem Umfeld nur eine Tankstelle erreichen kann. Ich möchte mir so gerne mal ein paar Kekse oder meine spezielle Lotion kaufen. Die hat die Tankstelle aber nicht. Jetzt kommt einmal die Woche der Josef mit einem Bus. Der bringt uns die Sachen, die wir bestellen. Aber es ist nicht so wie wenn ich in eine Drogerie gehen könnte.“

Für die Planung neuer Heime gab es schon einer Änderung der Denkweise. Ein Beispiel ist Kleinmachnow. Die Gemeinde hat das neue Pflegeheim direkt an dem zentralen Platz gebaut. Es gibt Supermärkte, Restaurants, eine Drogerie, einen Schreibwarenladen, einen Buchladen, kleine Boutiquen, das Rathaus und Bänke zum Verweilen auf dem Platz. Dieser ist mit gemischtem Publikum bevölkert. Aus der Schule nebenan kommen die Schüler, Familien gehen einkaufen oder sitzen auf den Bänken am Brunnen. Es gibt viel zu sehen und zu beobachten und wenn es zu viel und zu laut wird, ist der Weg ins Heim kurz. Möchte man weiter weg, gibt es Bushaltestellen direkt vor der Tür. Die Straße ist verkehrsberuhigt und es gibt sichere Übergänge vom Heim zum Platz.

Sicher gibt es auch in Ihrem Umfeld gelungene Beispiel. Ob nun Mitglied im Netzwerk der WHO oder nicht, es gibt überall Möglichkeiten, etwas zu verändern. Das nützt der ganzen Gesellschaft, nicht nur den Älteren.

Eintrag vom 24.06.2020 unter »Aktuelles und Interessantes«
 
 
Ein Projekt des Fördervereins Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e.V.