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Wir machen das anders

Bild zum Thema Wir machen das anders
Wer das generationsübergreifende Wohnprojekt „23 Riesen“ in Potsdam kennt, hat auch schon von Winfried und Ute Naber (Jahrgang 1947/48) gehört. Sie haben sich hier – gemeinsam mit vielen anderen – ihren Traum verwirklicht, mit klaren Zielen, viel Power und einer großen Portion Ausdauer.
Hier haben die beide alles, was ihnen für ihr Leben im Ruhestand wichtig ist: Ihre ruhige helle 4-Zimmer-Wohnung mit Platz für Gäste ist barrierefrei und bietet Möglichkeit zur Kreativität. Es ist eine Wohnung „der kurzen Wege“ wie Herr Naber sagt. An alles ist gedacht, wenn die Kräfte mal nachlassen- der Platz für den Rollstuhl, die bodengleiche Dusche und natürlich der Fahrstuhl. Dadurch können sie ganz oben wohnen, nah am Himmel, wie sie es gern wollten.
In nur wenigen Minuten kommt man zu Fuß in Potsdams schöne Innenstadt, an die Havel, in den Wald oder auch zum Bahnhof. Alles „um die Ecke“. In 30 Minuten ist man mit dem Nahverkehr in Berlins City. Beste Bedingungen für Kultur- und Naturinteressierte! Beim Frühstück können die Nabers die Vögel beobachten, die auf ihrem Balkon nisten oder in den Bäumen hinter dem Haus zwitschern. Herr Naber hat hier mehr Vogelarten gezählt als in seinem früheren Haus auf dem Lande. Das große Grundstück der „23 Riesen“ mit viel Freiraum lädt ein zum Draußensein, zum Spielen, Grillen, Schwatzen. Frau Naber leitet die Gartengruppe, die dafür sorgt, dass Schritt für Schritt ein schöner Garten entsteht, mit Kräuterspirale, Nutzpflanzen und Blumen. Hier kann sie sich auch ohne „eigenen“ Garten verwirklichen.
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Das Wichtigste aber ist die Gemeinschaft. Wer so ein Objekt verwirklichen will, braucht Menschen, die Visionen haben und mitziehen! Verein gr&uuml;nden, Unterst&uuml;tzer suchen, das geeignete Grundst&uuml;ck und die notwendige Finanzierung finden, dabei die Gemeinschaft entwickeln und den Umbau managen mit all seinen kleinen und gro&szlig;en Hindernissen - das war eine gewaltige Herausforderung f&uuml;r die Nabers und ihre Mitstreiter. Aber wenn man sie meistert, schwei&szlig;t das auch zusammen. Die gemeinsamen Aktionen in Staub der ehemaligen Ruine bleiben unvergessen. Heute kennt man die Nachbarn gut, kann sich &ndash; fast immer - aufeinander verlassen. Man trifft sich zu Romme oder Doppelkopf, feiert zusammen Geburtstag, hilft sich, lernt voneinander. Die meisten der &bdquo;23 Riesen&ldquo; sind berufst&auml;tig. Im Vorderhaus wohnen auch Studenten. Da ist immer Leben, Kinder werden geboren. Hier ist man mittendrin.<br />Wie kommt man auf die Idee, ein solch gewaltiges Projekt f&uuml;r das Leben im Alter zu wagen?<br />Winfried und Ute Naber sind gro&szlig; geworden nahe der holl&auml;ndischen Grenze, in sch&ouml;nen H&auml;usern, aber mit jeweils 5 Geschwistern. Das pr&auml;gt Gemeinschaftssinn! Beide haben sich Berufe im sozialen Bereich gesucht, wurden Lehrer. Frau Naber in der Grundschule, Herr Naber in der Berufsausbildung. Es war nicht nur Beruf f&uuml;r beide, es war Berufung. Auch das pr&auml;gt.<br />Beide zog es schon in den 70igern nach Berlin. Hier wurden ihre zwei S&ouml;hne geboren. Aber f&uuml;r das Familienleben war es ihnen zu eng, zu teuer, zu wenig Landschaft. Also zogen sie dorthin, wo es anders war, in einen kleinen Ort bei Uelzen. Sie fanden Arbeit, bauten sie sich das Haus f&uuml;r ihre Familie mit gro&szlig;em Grundst&uuml;ck und wohnten 32 Jahre dort. <br />Und doch haben sie lange gewusst &ndash; das wird nicht der Ort sein f&uuml;r ihr Leben im Alter. &bdquo;Was sollen wir mit dem Haus? Wir m&uuml;ssen an den Nahverkehr ran und m&ouml;glichst in die N&auml;he der Kinder.&ldquo; Beide hatten bei ihren Eltern schmerzlich erleben m&uuml;ssen, wozu es gef&uuml;hrt hat, &bdquo;sich an ihr Haus zu klammern&ldquo;. Im hohen Alter und allein war ein Leben dort nicht m&ouml;glich, daf&uuml;r waren auch die H&auml;user gar nicht geeignet. Bad und Schlafzimmer waren &uuml;blicherweise oben. Das ging nicht mehr. Im hohen Alter kam dann also nur noch der Umzug in eine Einrichtung infrage. Solch einen Lebensabend wollten die beiden nicht.<br />
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Also haben sie sehr fr&uuml;hzeitig &ndash; 7 Jahre vor ihrer Pensionierung &ndash; mit ihrer Zukunftsplanung begonnen. &bdquo;Auf keinen Fall nur mit Alten zusammen&ldquo;, war eine ihrer Pr&auml;missen. &bdquo;Und keine WG-Zwangsgemeinschaft mit Bad und K&uuml;che teilen.&ldquo; Das kannten sie aus der Studentenzeit. M&ouml;glichst in die N&auml;he der Kinder und vor allem Kultur, Gleichgesinnte. So ist es Potsdam geworden, dort studierte der Sohn, und es gefiel ihnen sehr. Durch die fr&uuml;he Entscheidung und den Projektaufbau in Potsdam w&auml;hrend der letzten Arbeitsjahre in ihrer alten Heimat hatten sie lange Zeit f&uuml;r den Abschied von ihrem Haus. Und das war gut so, meinen sie heute. Sie haben ihren Schritt &bdquo;keine Sekunde bereut&ldquo;. Heute trifft sich bei den Nabers die Gro&szlig;familie jetzt &ouml;fter als fr&uuml;her. Kinder und Enkel, die Geschwister kommen gern, es liegt zentral. Die Nabers genie&szlig;en das. Aber sie freuen sich auch, wenn die Nachbarkinder zum Spielen vorbeischauen, weil die &bdquo;Kugelbahn lockt&ldquo;. Oder wenn sie mit ihrem Mitstreitern das gro&szlig;e Sommerfest vorbereiten mit vielen Spa&szlig; f&uuml;r Jung und Alt. Hier wissen sie, da ist eine Gemeinschaft, die Einsamkeit im Alter verhindern kann. Und Herausforderungen meistern, h&auml;lt auch fit!
Eintrag vom 18.08.2017 unter »Praxisbeispiele: Gemeinschaftliches Wohnen«
 
 
Ein Projekt des Fördervereins Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e.V.